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"Die Freiheit der Meinung setzt voraus,
dass man eine hat.
"

(Heinrich Heine)

 

Albert Roderich
* 1846  - † 1938
war ein deutscher Dichter und Aphoristiker.

Ich weiß nichts, sagt der Unwissende,
Du weißt nichts, sagt der Gelehrte,
Wir wissen nichts, sagt der Weise.
 
Stehst du in eines Großen Gemach:
Hoch das Haupt und gerade den Rücken!
Unter dem eigenen niedrigen Dach
Darfst du ohne Schande dich bücken.
 

Das Glück zu haben ist Himmelsgunst;
Es recht zu genießen ist Menschenkunst.

 

Die nur allein dem Wissen vertrauen
Und nichts im fröhlichen Glauben tun,
Die wandeln durch blühende Frühlingsauen
Mit Wintermantel und Gummischuh'n.

 

Ist das Glück dir auch gewogen,
Ob dir's nützt, mußt du erst zeigen;
Hast du Fiedel auch und Bogen
Deshalb kannst du noch nicht geigen.

 
Wenn du wüßtest, wie deine Bekannten
Dich manchmal, wenn du nicht da bist, nannten,
Würdest du mit Erstaunen erfahren,
Wie unbekannt dir deine Bekannten waren.
 

Der du verzagst, daß deine Menschenbahn
Nur einem Tropfen gleicht im Ozean,
Laß dir es doch zu deinem Troste sagen,
Daß es nur Tropfen sind, die Eisenschiffe tragen.

 

Was wohl thut, ist nicht immer Glück,
Und, was dich schmerzt, nicht immer Leid:
Oft denkt man einst der Narbe gern,
Der Rose nur mit Bitterkeit.

 

Wer weiß, ob ich mehr dem Narren mich füge,
oder des Weisen Klarheit, –?
Wenn ich sage: Besser eine lustige Lüge,
als eine traurige Wahrheit.

 

Der Unverstand ficht bei Gelegenheit
Auch von den Klugen wohl die meisten an;
Drum kann ein Mensch schon gelten für gescheit,
Der weiß, was er an Dummheit leisten kann.

  

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