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"Die Freiheit der Meinung setzt voraus,
dass man eine hat.
"

(Heinrich Heine)

 

Zitate von Carl Hermann Busse
* 12.11.1872 - †  03.12.1918
 war ein deutscher Lyriker.
Er arbeitete als Literaturkritiker und veröffentlichte,
auch unter dem Pseudonym Fritz Döring, selbst Lyrik und Prosa.

Über den Bergen

Über den Bergen,
weit zu wandern, sagen die Leute,
wohnt das Glück.
Ach, und ich ging,
im Schwarme der andern,
kam mit verweinten Augen zurück.
Über den Bergen,
weit, weit drüben, sagen die Leute,
wohnt das Glück.

 

Stimme der Sehnsucht

Ich raun' dir am Bette in schlafloser Nacht,
Ich hab' deine Tage so müde gemacht.
Und was ich gewesen, und was ich dir bin,
Das flutet in ewigem Wechsel dahin.
Ich bin ein dunkler, verworr'ner Traum,
Dein erster Kuß unterm Apfelbaum.
Ich bin deine heil'ge Herzensnot,
Ich ruf' dich in Morgen- und Abendrot.
Deine Felder verkommen, dein Pflug bleibt stehn.
Es treibt dich in purpurne Fernen zu gehn,
Und ich flieg' dir voraus,
Und dein Fuß wird wund,
Und immer verdürstender brennt dein Mund.
Und du schreist nach mir,
Nach Erfüllung und Licht,
Wie du hungerst und frierst
Und du findest mich nicht.
Ich bin nur ein Klingen,
Ich bin nur ein Hauch,
Dein Herz wird schweigen;
Dann schweig' ich auch.

 

Von Erde zu Erde – was soll ich klagen?
Hat doch dazwischen so überviel Segen,
Sonne Leben und Liebe gelegen.

 

Nachts

Tiefstill die Nacht. Nur manchmal, halb im Traum,
hör ich ein Knistern an den weiten Wänden,
ein ruhlos Tasten hier und dort im Raum,
als wie von feinen, schlanken Frauenhänden.
Dann weiß ich es, was dir dein Traum gebracht:
du suchst nach mir, du kannst mich nicht vergessen,
du suchst und suchst die ganze lange Nacht
nach einem Glück, das du doch einst besessen.


 

Augen, die noch nicht sehen

Augen, die noch nicht sehen,
werden mein Grab einst blühen sehn;
Füße, die noch nicht gehen,
werden daran vorübergehn.

Lippen, die noch nicht lachen,
werden sich öffnen im Sonnenschein,
Herzen, die noch nicht wachen,
werden schlagen und fröhlich sein;

werden dem Leben sich schenken,
schenken der seligen Stunde sich,
und werden der Toten so wenig gedenken
wie einstmals ich!


 

Schöne Nacht

Schöne Nacht, Gestirne wandeln
Heilig über dir,
Und des Tags bewegtes Handeln
Stillt zum Traum sich hier.

Was ich sehne, was ich fühle,
Ist nun doppelt mein,
Ach in deiner keuschen Kühle
Wird es gut und rein!

Und so bringst du diese Erde,
Bringst mein Herz zur Ruh,
Daß es still und stiller werde,
Schöne Nacht, wie du!
(Vertont von Heinrich Kaspar Schmid)


  

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