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"Die Freiheit der Meinung setzt voraus,
dass man eine hat.
"

(Heinrich Heine)

 

Emil du Bois-Reymond
* 07.11.1818 - † 26.12.1896
deutscher Physiologe, theoretischer Mediziner
und gilt als Begründer der experimentellen Elektrophysiologie.

Während das Heilige Offizium des Kopernikus Anhänger mit Feuer und Kerker verfolgte,
ruht Charles Darwin in Westminster Abbey.

Der Radikalismus in seiner Voraussetzungslosigkeit ist leider für die meisten Menschen ungleich verständlicher und einleuchtender, als die verwickelte geschichtlich-genetische Betrachtungsweise. Die Jugend besonders zeigt sich stets den Idealen geneigt, die auf dem Boden des Radikalismus rasch welkend emporschießen.

Es gibt für den Naturforscher kein anderes Erkennen als das mechanische,
ein wie kümmerliches Surrogat für wahres Erkennen es auch sei.

Es ist nicht mehr das beschauliche Leben zu führen, nur bedacht auf Häufung von Wissensschätzen, Lösung geistiger Aufgaben, Erweiterung des inneren Gesichtskreises, dazu zählt die ungestörte Ruhe, welche die heutige Zeit nicht gibt.
 
Es kann der Standpunkt des Naturforschers den letzten Gründen gegenüber nur Entsagung sein.

Der Student als solcher soll so wenig politisieren wie dozieren oder praktizieren. So gut es ihm steht, für das Vaterland zu glühen, für welches zu sterben er berufen sein kann, den Parteiungen des Tages bleibe er ferne.

Auch die Mittelmäßigkeit findet einen ehrenvollen Platz,
wenn sie nur emsig und aufrichtig die Wahrheit sagt.
 
Die Wissenschaft wird gefördert durch Talente, Talente aber liefert der Zufall.

Die allgemeine Teilnahme an dem so sehr überschätzten politischen Leben zieht vom Kultus die Idee ab. In der Unruhe, welche sich der gesamten Kulturmenschheit bemächtigte, leben die Geister gleichsam nur noch von der Hand in den Mund.

Die Schwächen und Fehler der Menschen hängen, wie schon oft bemerkt, in der Tiefe zusammen mit dem, was sie in ihrer Art stark und bedeutend macht.
 
Ein Eisenteilchen bleibt ein und dasselbe Ding, gleichgültig,
ob es im Meteorstein den Weltraum durchfliegt,
im Dampfwagenrade auf den Schienen dahinschmettert,
oder in der Blutzelle durch die Schläfe eines Dichters rinnt.

Je hastiger gegenwärtig die wissenschaftliche Produktion, um so größer die stilistische Verwilderung. – Es ist nicht von jedem zu verlangen, daß er geistreich, fein und schwunghaft schreibe, daß er mit treffenden Gleichnissen den Leser erfreue, durch Leidenschaft ihn fortreiße. Dagegen ist von jedem zu verlangen, daß er in gutem Deutsch seine Meinung bündig, kurz und klar mitteile.

Wir Deutschen haben einen wenig lebendigen Formsinn, verbunden mit einem starken Gefühl der Unabhängigkeit, welches uns schwer macht aus Gemeingeist, ohne daß bürgerliches Gesetz oder militärische Zucht es gebieten, die persönlichen Neigungen einer Regel unterzuordnen.
 
Am hellsten leuchtet der Menschengeist,
wo Glanz der Kunst mit Glanz der Wissenschaft sich eint.
Quelle : Aus einer Festrede am 3. Juli 1890 
 
Nicht mehr als im Verstehen von Kraft und Materie hat im Herleiten geistiger Vorgänge aus materiellen Bedingungen die Menschheit seit 2000 Jahren, trotz allen Entdeckungen der Naturwissenschaft, einen wesentlichen Fortschritt gemacht.

»Ignorabimus«, wir werden niemals ergründen: 1. das Wesen von Materie und Kraft, 2. den Ursprung der Bewegung, 3. die erste Entstehung des Lebens, 4. die anscheinend absichtsvoll zweckmäßige Einrichtung der Natur, 5. das Entstehen der einfachen Sinnesempfindung, 6. das vernünftige Denken und den Ursprung der damit verbundenen Sprache, 7. die Frage nach der Willensfreiheit.
Quelle : »Die sieben Welträtsel«, Rede am Leibniz-Tage 1880 in der Berliner Akademie 

 Eine pessimistische Weltansicht wird den Geschichtsforschern in der Regel eigen,
weil sie sich im steten Umgange mit den Wechselfällen der bürgerlichen Geschichte bewegen.
 
Die Erziehungswissenschaft ist grundsätzlich genötigt,
sich ein Durchschnittskind als Gegenstand ihrer Bemühungen zu denken.

Leben an sich ist, von dem Standpunkte der theoretischen Naturforschung betrachtet, nichts als Anordnung von Molekülen in mehr oder minder festen Gleichgewichtslagen, und Einleitung eines Stoffwechsels, teils durch deren Spannkräfte, teils durch von außen übertragene Bewegung. Es ist ein Mißverständnis, hier etwas supernaturalistisches zu sehen.
     

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