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"Die Freiheit der Meinung setzt voraus,
dass man eine hat.
"

(Heinrich Heine)

 

Zitate von Martin Greif
 eigentlich Hermann Frey
* 1839  - † 1911
deutscher Bühnenautor und Lyriker

 Glück ist wie ein Sonnenblick,
niemand kann's erjagen,
niemand von sich sagen,
daß er heut und ein Frist
ohne Wunsch und glücklich ist.

 

Schattenleben

Still ist's, wo die Gräber sind
meiner Liebe;
nur bisweilen klagt der Wind
bang und trübe.
Seh' die Schattenwelt auf Erden
rings vergehen,
fühle alles spurlos werden
und vergehen.

 
Nimmer die Menge hoffe zu heben,
nirgend die Strenge wird dir vergeben.
Nur das Versöhnliche ist’s, was gefällt,
und das Gewöhnliche meistert die Welt.
 

Abend

Goldgewölk und Nachtgewölke,
Regenmüde still vereint:
Also lächelt eine welke
Seele, die sich satt geweint.

Doch die Sonne sinkt und ziehet
Nieder alle eitle Pracht,
Und das Goldgewölk verglühet
Und verbrüdert sich der Nacht.

 

Herbstgefühl

Wie ferne Tritte hörst du's schallen,
Doch weit umher ist nichts zu sehn,
Als wie die Blätter träumend fallen
Und rauschend mit dem Wind verwehn.

Es dringt hervor wie leise Klagen,
Die immer neuem Schmerz entstehn,
Wie Wehruf aus entschwundnen Tagen,
Wie stetes Kommen und Vergehn.

Du hörst, wie durch der Bäume Gipfel
Die Stunden unaufhaltsam gehn,
Der Nebel regnet in die Wipfel,
Du weinst, und kannst es nicht verstehn.

 

Nun störet die Ähren im Feld ein leiser Hauch,
wenn eine sich beugt, so betet die andere auch.
Es ist, als ahnten sie alle der Sichel Schnitt -
Die Blumen und fremden Halme erzittern mit.

  

Murre nicht, wenn dich die Plage
harter Arbeit nicht verläßt!
Kirchweih ist nicht alle Tage
und nur schön ein selt'nes Fest.

 

Meine Heimat liegt im Blauen,
fern und doch nicht allzu weit,
und ich hoffe sie zu schauen
nach dem Traum der Endlichkeit
Wenn der Tag schon im Versinken
und sein letztes Rot erbleicht,
will es manchmal mit bedünken,
daß mein Blick sie schon erreicht.

 

Die einsame Wolke

Sonne warf den letzten Schein
Müd im Niedersinken,
Eine Wolke noch allein
Schien ihr nachzuwinken.

Lange sie wie sehnend hing,
Ferne den Genossen.
Als die Sonne unterging,
War auch sie zerflossen.

 
Am Barbaratage holt' ich
drei Zweiglein vom Kirschenbaum,
die setzt' ich in eine Schale,
drei Wünsche sprach ich im Traum.

Der erste, daß einer mich werbe,
der zweite, daß er noch jung,
der dritte, daß er auch habe
des Geldes wohl genung.

Weihnachten vor der Mette
zwei Stöcklein nur blühten zur Frist:
ich weiß einen armen Gesellen,
den nähm' ich wie er ist.
 
Vor der Ernte

Nun störet die Ähren im Felde ein leiser Hauch,
wenn eine sich beugt, so bebet die andere auch.
Es ist, als ahnten sie alle der Sichel Schnitt -
die Blumen und fremden Halme erzittern mit.
 

An die Natur

Die Menschen altern
Und wandeln zuletzt
Als Greise gebückt
Unkenntlich fast;
Doch du, Natur,
Du bleibst dieselbe
In gleicher Frische Jahr um Jahr.
Auf deinem Antlitz
Ändert sich nichts;
Nicht Falten und Furchen
Lässest du schau'n,
Allen Sterblichen
Ihrer Jugend
Bleibst du ein Bildnis.
Du und Erinnerung
Leiden im Prangen
Keine Schmach.
Schön bist du so,
Wie du es warst
Seit zahllosen Tagen.
Wann längst ich zerfallen,
Preist dich ein andrer.

 

Die vollkommene Geliebte ist ganz Gegenwart.
Vergangenheit hat sie vergessen, Zukunft kümmert sie nicht.

  
Leiste Rechtes,
ob dich drum auch niemand ehrt;
wahrhaft Echtes
ist des späten Schätzers wert.
 

Ihr Grab

Es blüht ein Grab in treuer Hut,
Das beste Herz darinnen ruht.

Zu oberst blühen Rosen rot –
Dein Mund so manchen Kuß mir bot.

Und weiter ab die Lilie blüht –
Dein Herz hat rein für mich geglüht.

Zu Füßen liegt ein grüner Kranz –
Ich schwang dich oft im Maientanz.

Die Leute gehen dran vorbei,
Mir aber bricht das Herz entzwei.

 

In der Heimat war ich wieder,
alles hab ich mir besehn,
als ein Fremder auf und nieder
mußt' ich durch die Straßen gehn.

Nur im Friedhof fern alleine
hab' ich manchen Freund erkannt,
und bei einem Leichenstein
fühl' ich eine leise Hand.

 

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